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Rückenschmerzen verstehen: Ursachen, Zusammenhänge und was wirklich helfen kann

von | 9 Okt. 2026

Rückenschmerzen gehören zu den Beschwerden, mit denen Menschen sehr häufig zu mir in die Praxis kommen. Und obwohl der Schmerz oft an einer ganz bestimmten Stelle sitzt, ist für mich die wichtigste Frage nicht nur:
„Wo tut es weh?“
Sondern auch:
„Warum tut es dort weh?“
Denn der Körper funktioniert nicht in einzelnen Teilen. Oft hängen verschiedene Bereiche miteinander zusammen. Genau deshalb sehe ich meine Arbeit ein bisschen wie ein Puzzle: Ich suche nach den verschiedenen Puzzleteilen und versuche herauszufinden, wie sie zusammengehören.
In diesem Beitrag möchte ich zeigen, wie ich Rückenschmerzen betrachte, welche Zusammenhänge eine Rolle spielen können und was du selbst für deinen Rücken tun kannst.

🩹 Beschwerden

Ich habe Rückenschmerzen – was könnte dahinterstecken?

Der erste Eindruck beginnt schon beim Hereinkommen

Wenn jemand mit Rückenschmerzen zu mir kommt, beginnt die Behandlung für mich nicht erst auf der Liege.

Schon beim ersten Kontakt entsteht ein Eindruck. Ich schaue zum Beispiel: Wie kommt die Person in die Praxis? Wie bewegt sie sich? Wie geht sie? Wie wirkt sie? Wie spricht sie? Wie verhält sie sich?

Natürlich frage ich anschließend genauer nach den Beschwerden.

Seit wann sind die Rückenschmerzen da? Gab es ein bestimmtes Ereignis oder einen Auslöser? Was macht die Beschwerden besser oder schlechter? Wie fühlen sich die Schmerzen morgens an – und wie am Abend?

Auch der Verlauf über den Tag kann interessant sein. Wird der Rücken nach einer gewissen Zeit durch leichte Bewegung besser? Oder bleibt der Schmerz den ganzen Tag ungefähr gleich?

Und was tut gut?

Wenn jemand zum Beispiel erzählt, dass Wärme sehr gut tut – ein Wärmekissen, eine Infrarotkabine oder einfach die Wärme eines Ofens – ist auch das für mich eine wichtige Information.

All diese Beobachtungen und Antworten sind kleine Hinweise.

Wenn der Rücken nicht alleine schuld ist

Besonders häufig begegnen mir Beschwerden im unteren Rücken, im Bereich der Lendenwirbelsäule.

Wenn jemand anschließend auf der Liege liegt, beginnt für mich die nächste Ebene. Ich taste den Körper ab und versuche herauszufinden:

Wo ist Spannung? Wie tief sitzt sie? Wo fühlt sich das Gewebe verändert an? Und hängt die schmerzende Stelle vielleicht mit einer anderen Körperregion zusammen?

Denn der Schmerz muss nicht unbedingt dort entstehen, wo er empfunden wird.

Spannungen im unteren Rücken können beispielsweise mit dem Gesäß, dem Bein oder sogar dem Fuß zusammenhängen. Aber auch Spannungen im Bereich der Brustwirbelsäule oder im Schulter-Nacken-Bereich können Einfluss auf andere Bereiche des Körpers haben.

Der untere Rücken ist dabei ein besonders interessanter Bereich. Hier arbeitet viel Muskulatur zusammen, die unseren Oberkörper aufrecht hält und uns unseren aufrechten Gang ermöglicht. Wenn sich in diesem Zusammenspiel etwas verändert, kann sich das auf andere Bereiche auswirken.

Deshalb schaue ich bei Rückenschmerzen nicht nur auf die Stelle, an der jemand den Schmerz spürt.

Wann sollten Rückenschmerzen ärztlich abgeklärt werden?

Rückenschmerzen können sehr unterschiedliche Ursachen haben. Deshalb ist es wichtig, bestimmte Warnzeichen ernst zu nehmen.

Bei plötzlichen starken Schmerzen, Taubheitsgefühlen, Muskelschwäche, Problemen mit der Blasen- oder Darmkontrolle, Fieber oder nach einem Unfall sollte eine medizinische Abklärung erfolgen.

Auch wenn Beschwerden über längere Zeit bestehen bleiben oder sich trotz Maßnahmen verschlimmern, ist es sinnvoll, die Ursache ärztlich abklären zu lassen.

🧩 Körperwissen

Ich möchte verstehen, was in meinem Körper passiert

Wenn der Rückenschmerz immer wiederkommt

Es gibt Menschen, die sagen:

„Ich habe schon so viele Behandlungen gehabt – aber der Schmerz kommt immer wieder.“

Dann lohnt es sich, genauer hinzuschauen.

Gibt es vielleicht eine Fehlhaltung? Einen Beckenschiefstand? Gibt es bestimmte Bewegungen im Alltag, die immer wieder gemacht werden?

Oft sind es gar keine großen Bewegungen. Es können ganz kleine Bewegungen sein, die wir aber jeden Tag sehr häufig wiederholen.

Auch der Arbeitsplatz, alltägliche Gewohnheiten, sportliche Aktivitäten und die Frage, was dem Menschen guttut, können wichtige Puzzleteile sein.

Ich sehe meine Arbeit oft wie ein Puzzle. Das Suchen nach allen Puzzleteilen macht es für mich so interessant.

Man sammelt verschiedene Puzzleteile und versucht, sie miteinander zu verbinden. Erst wenn mehrere dieser Teile zusammenkommen, entsteht langsam ein ganzheitliches Bild.

Der Körper funktioniert nicht isoliert

Der Schmerz muss nicht unbedingt dort entstehen, wo er empfunden wird.

Wenn beispielsweise der untere Rücken Beschwerden macht, kann ich mir auch das Gesäß, das Bein oder sogar den Fuß anschauen.

Umgekehrt können Spannungen im Schulter-Nacken-Bereich oder in der Brustwirbelsäule eine Rolle spielen.

Der Körper funktioniert nicht in einzelnen Teilen, sondern als Zusammenspiel.

Faszien – ein wichtiger Teil meiner Arbeit

Ein wichtiger Bestandteil meiner Behandlung ist die Arbeit mit den Faszien.

Faszien gehören zum Bindegewebe und umgeben und verbinden Strukturen in unserem Körper. Bei meiner Arbeit taste ich das Gewebe gezielt ab und achte darauf, wie es sich anfühlt und wo ich Spannungen oder Veränderungen in der Gewebebeweglichkeit wahrnehme.

Für mich sind die Faszien deshalb ein wichtiger Teil des Puzzles.

Wenn beispielsweise jemand Schmerzen im unteren Rücken hat, möchte ich nicht automatisch nur dort arbeiten. Ich schaue mir auch die umliegenden Strukturen und die Zusammenhänge im Körper an.

Dabei kann es sein, dass eine Spannung im Gesäß, im Bein oder weiter unten beginnt und sich auf den Rücken auswirkt. Genauso kann eine Spannung weiter oben im Körper eine Rolle spielen.

Das bedeutet nicht, dass jede Rückenschmerzursache in den Faszien liegt. Aber sie sind eine Struktur, die ich bei meiner Untersuchung und Behandlung mit einbeziehe.

Gerade bei Menschen, die schon verschiedene Behandlungen ausprobiert haben und bei denen die Beschwerden immer wieder zurückkommen, finde ich diese ganzheitliche Betrachtung besonders interessant.

Denn manchmal ist die Frage nicht:

„Was haben wir noch nicht stark genug behandelt?“

Sondern:

„Welches Puzzleteil haben wir bisher vielleicht noch nicht betrachtet?“

🌿 Entspannung

Ich möchte aus dem Stress herauskommen

Bei Rückenschmerzen schaue ich nicht nur auf das, was körperlich passiert. Für mich gehört auch die Frage dazu:

Wie geht es dem Menschen eigentlich insgesamt?

Gibt es im Alltag genügend Momente, in denen er wirklich entspannen kann? Wie sieht es mit Bewegung und Sport aus? Und gibt es überhaupt ausreichend Zeit für Erholung?

Denn Rückenschmerzen sind für mich nicht immer nur ein mechanisches Problem. Es geht nicht ausschließlich darum, dass irgendwo ein Muskel verspannt ist oder eine bestimmte Struktur behandelt werden muss.

Manchmal steckt hinter den Beschwerden auch eine längere Geschichte.

Stress, wenig Erholung, fehlende Entspannungsmomente oder eine dauerhaft hohe Belastung können Teil dieses Gesamtbildes sein.

Deshalb spreche ich gerne mit meinen Kundinnen und Kunden. Ich möchte gemeinsam mit ihnen herausfinden, wie ihr Alltag aussieht und was ihrem Körper guttut.

Auch Entspannung selbst kann ein wichtiger Teil des Weges sein. Es geht nicht darum, einfach nichts zu tun, sondern dem Körper regelmäßig die Möglichkeit zu geben, aus einer dauerhaften Anspannung herauszukommen.

Wenn wir all diese Puzzleteile zusammenlegen – Beschwerden, körperliche Zusammenhänge, Alltag, Bewegung, Belastung und Entspannung – entsteht langsam ein ganzheitliches Bild des Menschen.

Und genau dieses Bild hilft mir dabei, zu verstehen, wo wir ansetzen können.

🌱 Prävention

Ich möchte etwas für meinen Körper tun, bevor es schlimmer wird

Wenn die akuten Beschwerden besser geworden sind, stellt sich für mich die nächste Frage:

Was können wir verändern, damit der Rücken nicht immer wieder dieselbe Geschichte erzählt?

Prävention muss dabei nicht bedeuten, das ganze Leben umzustellen.

Oft sind es kleine Veränderungen und kleine Gewohnheiten, die einen Unterschied machen können.

Kleine Veränderungen im Alltag

Zum Beispiel beim Heben: Wir wissen alle, dass wir aus den Beinen heben und den Rücken nicht unnötig belasten sollten. Aber wie oft denken wir im Alltag tatsächlich daran?

Auch der Arbeitsplatz kann eine Rolle spielen.

Wenn du viele Stunden am Schreibtisch sitzt, kann die einseitige Belastung irgendwann Beschwerden verursachen. Je nachdem, wie du sitzt und arbeitest, kann beispielsweise der Schulterbereich oder der untere Rücken stärker belastet werden.

Man kann seinen Alltag nicht immer komplett verändern. Aber man kann versuchen, regelmäßig etwas Abwechslung in die Belastung zu bringen.

Ein Beispiel ist ein Sitzball. Ich finde es durchaus sinnvoll, zwischendurch auf einem Ball zu sitzen und dem Gewebe im unteren Rücken dadurch einen anderen Impuls zu geben.

Aber ich würde nicht empfehlen, den ganzen Arbeitstag darauf zu verbringen.

Eineinhalb bis zwei Stunden können ein guter Wechsel sein – danach wieder zurück auf den normalen Bürostuhl.

Denn auch das Sitzen auf dem Ball kann auf Dauer anstrengend sein. Die Muskulatur, die den unteren Rücken stabilisiert, muss ständig arbeiten. Wenn sie dadurch ermüdet, ist das nicht automatisch besser für den Rücken.

Für mich geht es deshalb weniger darum, die eine perfekte Haltung zu finden.

Viel wichtiger ist es, die Haltung und Belastung immer wieder zu verändern.

Mal sitzen, mal stehen, sich bewegen, eine andere Position einnehmen – kleine Unterbrechungen und Veränderungen können im Alltag oft realistischer sein als der Versuch, stundenlang vollkommen „richtig“ zu sitzen.

Prävention muss nicht groß sein. Oft beginnt sie mit kleinen Dingen, die wir regelmäßig anders machen.

🤸 Selbsthilfe

Ich möchte selbst etwas für meinen Rücken tun können

Es muss nicht immer ein großes Trainingsprogramm sein.

Oft kann man schon mit ein paar kleinen Bewegungen am Morgen etwas für den Rücken tun.

Wenn der Rücken morgens steif ist, kann es helfen, zuerst ein wenig Bewegung in die Wirbelsäule zu bringen.

Eine kleine Morgenroutine für den unteren Rücken

Ich drehe zunächst die Wirbelsäule einige Male nach links und rechts und lasse dabei die Arme mitschwingen.

Dann beuge ich mich aus dem geraden Stand langsam nach vorne.

Anschließend lasse ich den Oberkörper einfach hängen. Dabei kann man die Hände einmal etwas mehr Richtung linken Fuß und dann Richtung rechten Fuß bewegen. Dadurch bekommt man das Gefühl, dass im unteren Rücken wieder ein bisschen Platz entsteht.

Wer Yoga kennt, kann auch die Kindposition ausprobieren. Sie kann sehr angenehm sein und den unteren Rücken sanft dehnen.

Beim Dehnen sollte man gerade am Morgen zunächst einmal in Bewegung kommen und erst danach leicht dehnen. Ein leichtes Ziehen darf dabei durchaus spürbar sein.

Es sollte aber eine passive Bewegung bleiben.

Das bedeutet: nicht aktiv immer weiter nach unten drücken, sondern einfach das Körpergewicht wirken lassen. Man kann dabei mit dem Gewicht des Körpers ganz leicht nach links und rechts schwingen oder die Hände abwechselnd etwas mehr zum linken und zum rechten Fuß bewegen.

Danach langsam wieder nach oben kommen.

Ich finde es außerdem schön, anschließend noch ein bisschen auf den Fußballen zu hüpfen, sodass eine leichte Vibration durch den ganzen Körper geht und sich alles noch einmal ein bisschen lockern kann.

Zum Abschluss noch ein paar Mal die sanfte Drehung der Wirbelsäule.

Damit hat man bereits ein kleines Programm, das nicht viel Zeit braucht und sich gut in den Morgen integrieren lässt.

Es geht dabei nicht darum, möglichst viele Übungen zu machen.

Es geht darum, dem Körper einen kleinen Impuls zu geben:

Bewegen. Mobilisieren. Etwas Platz schaffen. Und anders in den Tag starten.

🧩 Der Rücken als Puzzle

Rückenschmerzen können viele verschiedene Ursachen und Zusammenhänge haben. Deshalb gibt es auch nicht immer die eine Behandlung oder die eine Übung, die für jeden Menschen passt.

Für mich ist die Behandlung eines Menschen mit Rückenschmerzen deshalb immer auch eine Suche.

Wir sammeln die Puzzleteile:

Wo tut es weh? Seit wann? Was war vorher? Was tut gut? Wie bewegt sich der Mensch? Wie sieht sein Alltag aus? Wo gibt es Spannungen? Wie beweglich ist der Körper? Wie viel Belastung und wie viel Erholung gibt es?

Und dann versuchen wir, diese Teile miteinander zu verbinden.

Genau dieses Suchen nach den Puzzleteilen macht meine Arbeit für mich so interessant.

Denn manchmal liegt die Lösung nicht genau dort, wo der Schmerz sitzt.

Und manchmal beginnt die wichtigste Veränderung nicht auf der Behandlungsliege, sondern bei einer kleinen Sache, die wir im Alltag anders machen.

Häufige Fragen zu Rückenschmerzen

Woher kommen Rückenschmerzen?

Rückenschmerzen können ganz unterschiedliche Ursachen haben. Eine Rolle können unter anderem Muskeln, Gelenke, Faszien, Haltung und Bewegungsmuster spielen. Auch alltägliche Belastungen, wenig Bewegung oder einseitige Bewegungen können Beschwerden begünstigen. Deshalb ist es sinnvoll, nicht nur die schmerzende Stelle, sondern den Körper als Ganzes zu betrachten.

Warum tut mein Rücken immer wieder weh?

Wenn Rückenschmerzen immer wiederkommen, lohnt sich ein genauerer Blick auf die möglichen Zusammenhänge. Wie bewegen Sie sich im Alltag? Wie sitzen oder stehen Sie bei der Arbeit? Gibt es einseitige Belastungen oder Bewegungsmuster, die sich ständig wiederholen? Auch die allgemeine Belastung und Erholung können eine Rolle spielen.

Was kann ich bei Schmerzen im unteren Rücken selbst tun?

Bewegung ist für viele Menschen mit Rückenschmerzen sinnvoll. Schon kleine Veränderungen im Alltag können helfen: regelmäßig die Position wechseln, nicht stundenlang in derselben Haltung sitzen und dem Rücken unterschiedliche Bewegungsimpulse geben. Auch eine kleine Morgenroutine mit sanften Bewegungen kann eine gute Möglichkeit sein, den Rücken in Bewegung zu bringen.

Sollte ich mich bei Rückenschmerzen schonen?

Nicht jede Form von Rückenschmerz bedeutet, dass man sich möglichst wenig bewegen sollte. Häufig ist sanfte Bewegung angenehmer als langes Stillhalten. Wichtig ist dabei, die Belastung an die eigenen Beschwerden anzupassen und nicht in starke Schmerzen hineinzuarbeiten.

Können Faszien Rückenschmerzen verursachen?

Faszien sind ein Teil des Gewebes, das ich bei meiner Arbeit mitbetrachte. Bei der Untersuchung achte ich unter anderem darauf, wie beweglich sich das Gewebe anfühlt und wo Spannungen oder Veränderungen der Gewebebeweglichkeit vorhanden sind. Faszien können dabei ein Puzzleteil sein – sie sind aber nicht automatisch die Ursache für jeden Rückenschmerz.

Was hilft bei Rückenschmerzen beim Sitzen?

Oft ist nicht die eine „perfekte“ Sitzhaltung entscheidend, sondern Abwechslung. Regelmäßig aufzustehen, die Position zu verändern und dem Gewebe im unteren Rücken einen anderen Bewegungsimpuls zu geben, kann sinnvoll sein. Auch ein Sitzball kann für eine begrenzte Zeit eine Möglichkeit sein, das Sitzen abwechslungsreicher zu gestalten.

Wann sollte ich Rückenschmerzen ärztlich abklären lassen?

Bei starken, plötzlich auftretenden oder zunehmenden Beschwerden sowie bei zusätzlichen ungewöhnlichen Symptomen sollte eine ärztliche Abklärung erfolgen. Auch wenn Rückenschmerzen über längere Zeit bestehen oder immer wieder auftreten, kann es sinnvoll sein, die Ursache medizinisch abklären zu lassen.