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Knieschmerzen verstehen: Warum ich nicht nur auf das Knie schaue

von | 4 Okt. 2026

Knieschmerzen können ganz unterschiedlich sein. Manche Menschen spüren sie an der Innenseite, andere rund um die Kniescheibe, in der Kniekehle oder eher außen. Manche Beschwerden treten beim Bergabgehen auf, andere beim Treppensteigen, beim Sport oder nach einem langen Arbeitstag.

In meiner Praxis sehe ich vor allem Menschen mit chronischen Knieschmerzen – Beschwerden, die schon länger bestehen, immer wiederkommen oder vielleicht nach einer Operation geblieben sind. Viele haben bereits Physiotherapie oder andere Behandlungen ausprobiert und suchen nach einer weiteren Möglichkeit, ihre Beschwerden besser zu verstehen.

Ich sehe meine Arbeit dabei oft wie ein Puzzle. Ich versuche herauszufinden: Welche Puzzleteile gehören zusammen? Und welche davon könnten etwas mit den Knieschmerzen zu tun haben?

Denn wenn das Knie schmerzt, schaue ich nicht nur auf das Knie.

Beschwerden – Wo genau tut es weh?

Wenn jemand mit Knieschmerzen zu mir kommt, beginnt meine Arbeit mit einer ausführlichen Anamnese.

Ich möchte wissen:

Wo genau tut es weh? Wann treten die Schmerzen auf? Was macht sie besser oder schlechter? Wie ist es morgens und wie am Abend? Was tut gut – Wärme, Kälte oder Bewegung?

Mich interessiert auch, ob es einen Auslöser gab. Sind die Schmerzen plötzlich entstanden oder haben sie sich langsam entwickelt? Gab es irgendwann einen Unfall, eine ungewohnte Belastung oder eine Operation? Wie sieht der Arbeitsalltag aus? Welcher Sport wird betrieben?

Und natürlich frage ich auch nach bisherigen Therapien: Was wurde schon gemacht? Was hat geholfen? Wie lange hat die Wirkung angehalten? Gibt es bereits einen ärztlichen Befund, ein MRT oder Röntgenbild?

Die genaue Stelle des Schmerzes ist für mich besonders wichtig

Ein Knie ist nicht einfach „ein Knie“.

Wenn jemand Schmerzen an der Innenseite des Knies hat, denke ich beispielsweise auch an den Innenmeniskus. Der Meniskus kann bei Knieschmerzen eine wichtige Rolle spielen. Gerade die Strukturen an der Innenseite des Knies kann ich in meiner Arbeit gut über das umliegende Gewebe und Fasziennetz erreichen.

Bei Schmerzen an der Außenseite sind wiederum andere Strukturen interessant.

Auch die Kniekehle erzählt mir etwas anderes als der Bereich rund um die Kniescheibe. Bei Beschwerden in der Kniekehle schaue ich beispielsweise genauer auf Wade und hintere Oberschenkelmuskulatur.

Und wenn die Schmerzen eher oberhalb oder rund um die Kniescheibe liegen, interessiert mich häufig die Spannung im Oberschenkel.

Deshalb frage ich ganz konkret nach Situationen, in denen das Knie belastet wird:

Wie ist es beim Gehen?
Wie beim Bergaufgehen?
Wie beim Bergabgehen?
Wie beim Treppensteigen – hinauf und hinunter?
Wie beim Aufstehen oder Hinsetzen?

Gerade beim Bergabgehen erzählen mir manche Menschen, dass ihr Knie plötzlich zu schmerzen beginnt, obwohl das Bergaufgehen noch problemlos funktioniert.

Dann kommt meine Untersuchung

Wenn die Person auf meiner Liege liegt, beginne ich zu ertasten, was sich im Gewebe verändert anfühlt.

Wo ist Spannung?
Wo fühlt sich das Gewebe zäh an?
Wo ist die Beweglichkeit zwischen den Gewebeschichten eingeschränkt?
Wo zieht etwas?
Und wohin könnte diese Spannung weiterführen?

Ich schaue dabei nicht nur auf das Knie, sondern auf das gesamte Bein – vom Fuß und der Großzehe über den Unterschenkel und das Knie bis hinauf zum Oberschenkel und zur Hüfte.

Denn all diese Bereiche arbeiten miteinander.

Körperwissen – Das Knie arbeitet nicht alleine

Für mich ist das einer der wichtigsten Punkte beim Verständnis von Knieschmerzen:

Das Knie arbeitet nicht isoliert.

Fuß, Unterschenkel, Knie, Oberschenkel und Hüfte müssen bei jeder Bewegung miteinander koordinieren. Deshalb schaue ich bei einem Knieproblem immer auch darauf, wie jemand steht, geht und sich bewegt.

Wie steht der Fuß?

Wohin zeigt die Großzehe?

Wie steht das Knie?

Wohin dreht die Hüfte?

Und wie bewegt sich das ganze Bein beim Gehen?

Gerade beim Bergabgehen kann die Kombination aus Fußstellung, Unterschenkelrotation und gebeugtem Knie eine zusätzliche Belastung für die Strukturen im Knie bedeuten. Dreh- und Rotationsbewegungen unter Belastung können insbesondere für den Meniskus relevant sein.

Eine kleine Orientierung, die ich meinen Kundinnen und Kunden deshalb gerne mitgebe:

Achte darauf, dass dein Großzeh und dein Knie möglichst in dieselbe Richtung zeigen.

Am Anfang fühlt sich das vielleicht ungewohnt an. Ich habe das selbst oft geübt. Je häufiger man darauf achtet, desto natürlicher wird es.

Natürlich wird nicht jeder einzelne Schritt perfekt sein. Darum geht es auch gar nicht. Es geht darum, ein Gefühl für die eigene Beinachse und Bewegung zu entwickeln.

Spannung ist nicht immer offensichtlich

Bei chronischen Beschwerden finde ich häufig Strukturen, die dauerhaft unter Spannung stehen. Manchmal merkt der Mensch diese Spannung im Alltag überhaupt nicht mehr.

Der Körper gewöhnt sich an vieles.

Auch mit zunehmendem Alter verändern sich Gewebe und Gelenke. Wir bleiben nun einmal nicht 18 oder 35. Manche Strukturen werden weniger belastbar, und degenerative Veränderungen können zunehmen. Auch am Meniskus können mit zunehmendem Alter Veränderungen entstehen, ohne dass daraus automatisch eine Operation notwendig wird.

Für meine praktische Arbeit bedeutet das: Ich schaue mir das gesamte Umfeld des Knies an und versuche herauszufinden, welche Strukturen tatsächlich verändert oder stark gespannt sind.

Dann arbeite ich gezielt.

Ich behandle die betroffenen Strukturen, arbeite an muskulären Spannungen und – wenn ich entsprechende Veränderungen ertaste – auch am faszialen Gewebe.

Sehr häufig stehen Menschen nach der Behandlung auf und sagen:

„Wow – auf einmal ist der Schmerz viel weniger.“

Oder:

„Das Knie fühlt sich plötzlich viel freier an.“

Das ist für mich immer wieder faszinierend.

Entspannung – Auch ein Knie braucht Entlastung

Bei chronischen Knieschmerzen ist das Thema Entspannung etwas anders als beispielsweise beim Rücken.

Viele Menschen mit chronischen Kniebeschwerden haben nämlich in Ruhe gar keine oder deutlich weniger Schmerzen. Die Beschwerden zeigen sich eher unter Belastung – beim Gehen, Treppensteigen, Bergabgehen oder nach einer längeren Tour.

Deshalb bedeutet Entspannung für mich beim Knie vor allem: Belastung und Erholung wieder in ein gutes Verhältnis bringen.

Nach einer langen Bergtour kann es beispielsweise sinnvoll sein, dem Knie etwas Ruhe zu gönnen und es sanft zu bewegen, statt es sofort wieder stark zu belasten.

Auch morgens und abends kann man das Knie einmal bewusst durchbewegen: langsam beugen und wieder strecken – ohne Kraft und ohne in den Schmerz hineinzugehen.

Dazu kann man auch Fuß und Sprunggelenk bewegen und die Hüfte mitnehmen. Es geht nicht darum, eine komplizierte Übung daraus zu machen. Es geht vielmehr darum, die vorhandene Beweglichkeit wahrzunehmen.

Auch beim Sitzen lohnt sich ein Blick auf die Position des Knies. Ich persönlich finde eine leicht gebeugte, entspannte Position angenehmer, als die Beine lange durchhängen zu lassen und das Knie dabei dauerhaft zu überstrecken.

Und natürlich gehört auch die Entlastung nach Belastung dazu.

Wer lange steht, viel geht, trägt oder hebt, gibt seinen Knien über viele Stunden immer wieder Belastung. Gerade deshalb ist es sinnvoll, zwischendurch Position und Belastung zu verändern.

Unser Körper ist dabei eigentlich ein kleines Wunder: Er kann unglaublich viel leisten, sich an Belastungen anpassen und vieles wieder regulieren, ohne dass wir es überhaupt bewusst wahrnehmen.

Wenn das Knie nach einer Tour „brennt“

Wenn nach einer Bergtour das Knie gereizt oder warm wirkt, greifen manche Menschen gerne auf einfache Hausmittel zurück.

Ich kenne beispielsweise den klassischen Topfenwickel. Dabei wird Topfen auf ein Tuch oder eine geeignete Unterlage aufgebracht und kühlend auf das Knie gelegt.

Wichtig ist für mich dabei: Das ist ein Hausmittel zur kurzfristigen Kühlung und Beruhigung – kein Ersatz für eine medizinische Abklärung, wenn Beschwerden stärker werden, das Knie deutlich anschwillt oder andere auffällige Symptome dazukommen. Bei einem akut heißen, stark geschwollenen oder sehr schmerzhaften Knie sollte ohnehin medizinisch abgeklärt werden, was dahintersteckt.

Ich persönlich habe außerdem gute Erfahrungen mit Franzbranntwein mit Arnika und Menthol von Holzhacker gemacht. Ich habe dieses Produkt erst hier in Tirol kennengelernt und verwende es gerne für Muskulatur und das Gewebe rund um Gelenke.

Persönliche Produktempfehlung aus meiner Praxis – kein Heilversprechen.

Prävention – Wie gehe ich im Alltag mit meinem Knie um?

Bei Knieschmerzen ist für mich Prävention vor allem eine Frage von Belastung, Bewegung und guter Koordination.

Das Knie darf und soll bewegt werden. Gleichzeitig sollte man darauf achten, welche Belastungen Beschwerden immer wieder provozieren.

Besonders beim Bergwandern lohnt sich die Frage:

Wie gehe ich eigentlich bergab?

Wie setze ich meinen Fuß auf?
Wohin zeigt mein Knie?
Wie stark beuge ich das Knie?
Wie schwer ist mein Rucksack?
Und wie lange bin ich schon unterwegs?

Auch beim Sport gibt es Unterschiede.

Sportarten mit schnellen Richtungswechseln, abruptem Abbremsen und anschließenden Drehbewegungen können für ein bereits empfindliches Knie eine größere Herausforderung darstellen. Gerade Dreh- und Pivotbewegungen unter Belastung können den Meniskus stärker beanspruchen.

Das bedeutet nicht, dass man mit Knieschmerzen überhaupt keinen Sport mehr machen darf.

Im Gegenteil: Regelmäßige, angepasste Bewegung ist für viele chronische Knieprobleme sinnvoll und kann helfen, Beweglichkeit und Belastbarkeit zu erhalten. Entscheidend ist, die Belastung an den eigenen Zustand anzupassen und sie nicht plötzlich massiv zu steigern.

Deshalb bespreche ich mit meinen Kundinnen und Kunden auch ihren Sport und ihren Alltag.

Manchmal braucht es gar keine große Veränderung.

Vielleicht muss eine Bewegung anders ausgeführt werden.
Vielleicht braucht es zwischen zwei Belastungen etwas mehr Erholung.
Vielleicht sollte ein bestimmter Sport vorübergehend angepasst werden.
Oder vielleicht muss man einfach wieder lernen, auf die Signale des eigenen Körpers zu hören.

Das ist bei jedem Menschen anders.

Selbsthilfe – Was kann ich selbst für mein Knie tun?

Ich bin kein Freund davon, jedem Menschen mit Knieschmerzen einfach fünf Übungen mit nach Hause zu geben.

Denn ein Knie ist nicht gleich ein Knie.

Was einer Person guttut, kann für eine andere Person gerade nicht passend sein. Deshalb gebe ich Übungen und Empfehlungen möglichst individuell.

Eine einfache Sache, die meiner Meinung nach fast jeder ausprobieren kann, ist jedoch: das Knie regelmäßig sanft durchbewegen.

Morgens nach dem Aufstehen und abends kann man das Knie langsam beugen und wieder strecken – so weit, wie es angenehm möglich ist.

Nicht mit Gewalt.

Nicht in den Schmerz hineindrücken.

Einfach bewegen und wahrnehmen.

Auch Fuß, Sprunggelenk und Hüfte dürfen dabei mitbewegt werden.

Und im Alltag kann man immer wieder kleine Entlastungsmomente einbauen: die Position verändern, das Bein anders lagern, nach längerem Stehen kurz hinsetzen oder nach einer Belastung bewusst eine Pause machen.

Wenn eine Bewegung Schmerzen deutlich verstärkt, das Knie anschwillt oder Beschwerden länger anhalten, sollte die Belastung entsprechend reduziert und gegebenenfalls fachlich abgeklärt werden.

Das Knie als Teil des ganzen Körpers

Knieschmerzen sind für mich deshalb so spannend, weil das Knie nie ganz für sich alleine arbeitet.

Fuß, Großzehe, Unterschenkel, Knie, Oberschenkel und Hüfte bilden eine funktionelle Einheit.

Wenn irgendwo in diesem System etwas nicht optimal zusammenspielt, kann das Auswirkungen auf andere Bereiche haben.

Deshalb behandle ich nicht einfach „das schmerzende Knie“.

Ich schaue hin.

Ich taste.

Ich suche nach Zusammenhängen.

Und ich versuche herauszufinden, welche Puzzleteile bei diesem Menschen zusammengehören.

Denn genau das ist für mich das Spannende an meiner Arbeit: Jeder Mensch bringt ein anderes Puzzle mit.

Häufige Fragen zu Knieschmerzen

Warum tut mein Knie beim Bergabgehen weh?

Beim Bergabgehen wird das Knie anders belastet als beim Bergaufgehen. Zusätzlich spielen Fußstellung, Beinachse und die Koordination von Fuß, Unterschenkel, Knie und Hüfte eine Rolle. Bei bestehenden Beschwerden können insbesondere Beuge- und Drehbewegungen unter Belastung problematisch sein.

Was bedeutet Schmerz an der Innenseite des Knies?

Schmerzen an der Innenseite können verschiedene Ursachen haben. Unter anderem können Strukturen wie der Innenmeniskus beteiligt sein. Deshalb ist es sinnvoll, nicht nur die schmerzhafte Stelle, sondern auch die umliegenden Strukturen und die Bewegungsabläufe zu betrachten.

Was kann ich bei chronischen Knieschmerzen selbst tun?

Sanfte Bewegung, regelmäßige Positionswechsel und eine individuell angepasste Belastung können hilfreich sein. Übungen sollten im angenehmen Bewegungsbereich durchgeführt werden. Bei länger anhaltenden oder zunehmenden Beschwerden sollte die Ursache fachlich abgeklärt werden. Das österreichische Gesundheitsportal empfiehlt ebenfalls Bewegung im schmerzfreien Bereich und eine individuelle Beratung.

Sind Knieschmerzen immer ein Zeichen für einen Meniskusschaden?

Nein. Knieschmerzen können viele unterschiedliche Ursachen haben. Ein Meniskusproblem ist nur eine mögliche Ursache.

Wann sollte ich Knieschmerzen ärztlich abklären lassen?

Besonders bei starken oder zunehmenden Schmerzen, deutlicher Schwellung, Überwärmung, eingeschränkter Beweglichkeit oder nach einem Unfall sollte eine medizinische Abklärung erfolgen.